|
Hier ist nicht Amerika
|
Hier ist nicht Amerika
"Ausgehend vom Amoklauf des Schülers Robert
S. in Erfurt geht Hammerthaler einen entscheidenden Schritt
weiter: Seine Geschichte vom Jungen Carlos, der seinen Lehrer
erschießt, sich eine Zeitlang als Outlaw rumschlägt, am Ende
aber doch gestellt wird, ist nämlich alles andere als ein
Western. Doch die Western-Dramaturgie der Gegensätze ist wie
eine groteske Kostümierung und lässt die Hilflosigkeit unserer
Erklärungsmodelle umso stärker hervortreten. Die Verteilung
der mit Computerspielen und Waffen sozialisierten Kids auf
das typische Westernpersonal von Hilfssheriff, Gesetzlosem
und Bardame zeigt stets auch ihr Nicht-Aufgehen in diesen
klar definierten Rollen und Posen. Stark sind seine lakonischen,
aber auch brutalen poetischen Bilder und Zustandsbeschreibungen
in den Monologen, die den Einbruch der Gewalt in den bürgerlichen
Alltag, ihr Entstehen und das Leid des Einzelnen auf den Punkt
bringen ('Schuss und Schluss. Morgens sitzt Doktor Walther
beim Friseur, mittags liegt er frisch rasiert in seinem Blut
auf der Straße. Eine Bombe im Bus, Explosion aus der Handtasche.')"
Theater heute
|